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Geschichte der Katholischen Kirchengemeinde St. Lambertus


 
Geschichte der Kirche und Gemeinde

Das Logo zeigt, dass die neue Gemeinde St. Lambertus aus vier bisher selbständigen Gemeinden besteht. Am 27. November, dem 1. Adventssonntag 2005 wurde die neue Gemeinde  durch das Verlesen der Fusionsurkunde durch Weihbischof Franz Peter Tebartz-van Elst in einem festlichen Gottesdienst konstituiert. Bei Kerzenscheinbegannen wir die Hl. Messe. Es gab zu der Zeit kein Strom in Ochtrup wegen des Schneechaos. Von Freitag bis Mittwoch dauerte dieser Zustand für viele Ochtruper.  Beim Hallelujaruf kam das Licht für die Innenstadt wieder, und damit auch für unsere Kirche. Die Lambertikirche ist die Pfarrkirche der neuen Gemeinde. Die drei anderen Kirchen wurden vom Bischof Dr. Reinhard Lettmann zu Filialkirchen ernannt. Die bisherigen Gemeinden sind in der neuen Großgemeinde als Seelsorgbezirk benannt. So kann man leicht feststellen, wo, wann, was stattfindet oder sich ereignet.

 

Lebensgeschichte des Heiligen Lambertus

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(Fenster im Chorraum der Lambertikirche)

Der heilige Lambertus, Bischof von Maastricht, wurde um 635 zu Maastricht geboren. Seine Eltern gehörten zum alteingesessenen germanischen Landadel in den heutigen Niederlanden. Schulbildung und Schulpflicht im modernen Sinn gab es damals noch nicht. So lag Lambertus Erziehung erst bei seinen Eltern und später bei dem heiligmäßigen Erzpriester
Landoald. Bald zeigten sich bei dem geweckten Jungen Neigung und Fähigkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten und so kam er eines Tages zur weiteren Ausbildung an die Domschule des Bischofs Theodard von Maastricht. Nach gründlicher Selbstprüfung entschied sich hier Lambert für
den geistlichen Beruf und empfing die Priesterweihe. Irgendwie muss bereits der junge Geistliche seinem Bischof aufgefallen sein, jedenfalls berief er den viel versprechenden Lambertus an die Domkirche und betraute ihn mit
bischöflichen Verwaltungsarbeiten.

Die Kirche hatte es im 7. Jahrhundert nicht leicht. Großenteils war sie von den weltlichen Großen abhängig. Die nannten sich wohl dem Namen nach Christen, um die christlichen Grundsätze aber kümmerten sie sich herzlich wenig. Wo immer es nur ging, bereicherten sie sich — oft auch mit brutaler Gewalt — am Kirchengut und -besitz.

Auch in Maastricht war es nicht anders. Nur allzu oft hatten dort die mächtigen Grundherren auch vor dem Besitz der Domkirche nicht Halt gemacht. Als König Childerich II. für einige Zeit in Speyer weilte, reiste darum Bischof Theodard dorthin, um gegen die Kirchenräuber Klage beim König zu führen. Aber ehe er noch seine Beschwerden hatte vorbringen können, war er bereits von denen, gegen die er Klage halle erheben wollen, ermordet worden.

Der Bischofsstuhl von Maastricht war also verwaist. Bei der Frage der Neubesetzung waren Klerus und Volk bald sich darüber einig, dass Lambertus der geeignetzte Mann wäre, das verantwortungsvolle Bischofsamt zu übernehmen.
Nach mancherlei Bedenken fügte sich Lambertus und war so, erst 33 Jahre alt Bischof von Maastricht. Seine bischöfliche Tätigkeit begann er damit, dass er die sterblichen Überreste seines Vorgängers und hohen Gönners persönlich von Speyer abholte, um sie in einer Kapelle zu Liege, dem späteren Lüttich, ehrenvoll 711 bestatten. Lambertus Wirken als Bischof ist gekennzeichnet durch
Sanftmut, Milde und Leutseligkeit. Die Armen waren seine Freunde und das Recht der Bedrängten und Bedrückten verteidigte er furchtlos. In kurzer Zeit hatte er auf diese Weise das Vertrauen des Volkes gewonnen. Selbst König
Childerich schätzte den tatkräftigen und zielbewussten Bischof überaus hoch und vor manch wichtigen Entscheidung ließ er erst dessen Rat einholen. Aber gerade aus dieser königlichen Gunst sollte ihm bald viel und schweres Leid
erwachsen.

Nach Childerichs frühem Tod war der ränkevolle Ebroin zu immer größerem Einfluss am Königshof gekommen. Seinen egoistischen, hochfliegenden Plänen stand der Bischof von Maastricht, der unbeugsame Hüter vor Recht und Gerechtigkeit, im Wege. Nach mancherlei Quertreibereien gelang es schließlich, den Bischof aus seiner Bischofsstadt zu vertreiben. Lambert musste in das Kloster Stablo in die Verbannung gehen. 7 Jahre lang währte diese Prüfung und erst nach Ebroins Ermordung konnte er, umjubelt von seinen Getreuen, nach Maastricht zurückkehren.

Und wieder war Lambert der Vater der Armen, wieder verkündete er mit glühender Begeisterung  das Wort Gottes.
Und so wie ehedem mahnte und warnte er auch jetzt wieder mit apostolischem Freimut, wo immer es nottat. Allezeit aber war er bestrebt auszugleichen. Brücken gegenseitigen Verstehens zu bauen und so Menschen für Christus
zu gewinnen. Sein seelsorglicher Eifer trieb ihn über die Grenzen seines Bistums hinaus. Sogar bis nach Friesland, das 150 Jahre später  noch den heiligen Bonifatius ermordete, ist Lambert auf seinen Missionswegen gekommen.

In Maastricht hatten sich inzwischen die Dinge ungünstig entwickelt. Am Hofe der Merowinger war Dodo zu Einfluss gekommen, ein habgieriger und ungemein machthungriger Mann. Und schon glaubten auch die Großen im Lande, wieder ungestraft nach Kirchengut greifen zu können. Auch in Lambertus Diözese mehrten sich die übergriffe auf Kirchengut. Lambert verwahrte sich dagegen mit aller Entschiedenheit. Als schließlich sogar der Bischofskirche eine ganze Reihe von Gütern geraubt worden waren, kam es zur offenen Fehde mit den Kirchenfrevlern, in deren Verlauf einige Gefolgsleute Dodos getötet worden waren. Von diesem Augenblick an suchte Dodo nach Mitteln, um den
unbequemen Bischof zu beseitigen. Er bestellte gedungene Mörder, die in der Morgendämmerung des 17. September 696 oder 705 Lambertus mit einem Wurfspieß ermordeten.

Früher war das Lambertusfest in Münster ein großes Volksfest; bereits zwei Wochen vor dem Abend des 17. / 18. September beginnen noch heute die Kinder, "Lambertus-Pyramiden" zu bauen, diese mit Zweigen, Laternen und Lampions zu schmücken und zu umtanzen und dazu viele traditionelle Lieder zu singen. Höhe- und Schlusspunkt ist dann der letzte Abend am 18. September. Die meisten münsterschen Pfarrgemeinden und auch unsere Gemeinde feiern dann dieses Fest.

Dadurch wird deutlich: die Volksfrömmigkeit hat Lambertus bis auf den heutigen Tag nicht vergessen.

Wer die Lambertikirche betrachtet, schaut auf das christliche Glaubenszeugnis vor allem von Menschen dieses Ortes. Sie haben unter vielen Opfern dieses Bauwerk errichtet und viel gespendet um es zu unterhalten und für die Nachwelt zu erhalten; denn aus dem Gebäude aus Stein spricht ein Geist, der das Kleben der Menschen und unser Land geprägt hat und immer noch prägt.

Kleiner Überblick über die Geschichte Ochtrups (nach A. Wegener)

Schon seit den Jahren 1800 vor Chr. ist die Ochtruper Gegend besiedelt, aber immer wieder mit großen zeitlichen Lücken. In der Ochtruper Gegend herrschte der Germanenstamm der Brukterer vor.

Bis Mitte des 6. Jhrdts. besiedelten die Sachsen das Gebiet von der Nordsee her. Während der Christianisierung durch Karl den Großen wurden viele Sachsen ausgesiedelt und schon getaufte Franken angesiedelt vor allem auf den Haupt- und Oberhöfen.

„Uhthepe“ wird erstmals erwähnt in einer Schrift des Werdener Klosters um 1150. Hof Ohthepe oder Uhtepe. Man kann also sagen, dass sich der Name Ochtrup ursprünglich von der Siedlungsgemeinschaft im Osten, Oster abgeleitet hat.

Die Ochtruper hatten sehr unter dem spanisch-niederlädischem Krieg zu leiden, der sich von 1556 bis 1648 hinzog, incl. 30-jährigem Krieg. Überfälle und Plünderung waren an der Tagesordnung, die durch die Nähe der Grenze nach Holland verursacht wurden. Große Plünderungen mit Belagerungen, Beraubungen und Mord und Totschlag hatte es 1590, 1592, 1595 und 1598 gegeben. Die Genehmigung zum Bau einer Befestigung gab es am 20.10.1593. 1598 fielen 54 Häuser einem Brand zum Opfer, der sich durch Blitzschlag entzündete.

Am Ende des 30-jährigen Krieges war die Not so groß auch in Ochtrup, daß das die Nahrung zum größten Teil aus Eichelbrot bestanden haben soll. Viele flüchteten, starben an Krankheiten, Höfe verwaisten, so daß man bis Mitte des 19. Jhdts. von der „ärmlichen, unansehnlichen Ackerbürgerstadt Ochtrup“ sprach.

In der ersten Hälfte des 19. Jhrdts. dümpelte Ochtrup noch vor sich hin. In Ochtrup herrschten noch vor: Töpfereien, Schmieden, Radmachereien, Färberein und Ziegelein. Die Menschen führten ein dürftiges, anspruchsloses Leben und ungewöhnlich viele Leute wanderten aus Ochtrup aus. Um 1800  gab es 200 handwerkliche  und gewerbliche Unternehmen, 23 davon Töpfer, 28 Handweber Dann kamen aber auch nach Ochtrup Düngemittel, moderne Maschinen. Die Dreifelderwirtschaft wurde abgelöst. Die landwirtschaftliche Struktur wandelt sich.

Die Industrialisierung hielt Einzug. 1865 siedelte sich Fa. Laurenz in Ochtrup an. Es entstand ein neuer Wirtschaftszweig und damit auch ein neuer Beruf: der Farbrikarbeiter.

Im Jahre 1933 gab es in Ochtrup 36 Juden. Zur gleichen Zeit lebten dort insgesamt 10052  Einwohner. Boykottaufrufe gegen jüdische Geschäfte fanden keine besondere Resonanz.. Doch wurde auch in Ochtrup in der Pogromnacht 8./9. November 1938 die jüdische Betstube im Kniepenkamp teilweise zerstört. 1938 befanden sich in Ochtrup nur noch 14 jüdische Menschen. Die letzten jüdischen Ochtruper wurden im Juli 1942 von der Gestapo verhaftet.

Flüchtlinge gegen Ende des Krieges kamen auch bis nach Ochtrup und gehörten oft zur evangelischen Gemeinde

Heute scheint Ochtrup geprägt durch einige wenige Großbetriebe und einen einigermaßen gesunden mittelständischen Bereich.

 

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 Mitte des Ortes ist die von 1866 bis 1871 von Hilger Hertel in neugotischen Stil gebaute und am 28.August 1873 eingeweihte Lambertikirche mit ihrem 73 m hohen spitz aufragenden Turm. Die Vorgängerkirche stand an fast gleicher Stelle. Sie war  zu klein geworden und wurde abgerissen. Sie war,  wie die meisten Kirchen nach Osten ausgerichtet, während bei der neuen Kirche der Chorraum nach Süden zeigt. Die Lambertikirche gilt als exemplarisch für die Neugotik und ist der westfälischen Hallenkirche der Spätgotik des 15. Jahrhunderts mit ihren großzügigen und weiten Verhältnissen gut nachempfunden. Es handelt sich um eine dreischiffige vierjochige Halle aus Werkstein mit angedeutetem Querhaus., einem nach Süden gelegenen Chor mit Chorjoch und einem 5/10-Polygon. Typisch für die Hertelbauten sind die über den Seitenschiffjochen quergestellten Satteldächer mit Abwalmung. Über der Vierung erhebt sich ein spitzhelmiger schlanker Dachreiter. Rundpfeiler mit jeweils vier dreiviertelrunden Diensten tragen die Kreuzrippengewölbe. Die Vierung ist durch ein achtteiliges Gewölbe betont. Im Jahre 1997 wurde der Fußboden erneuert und der Chorraum vorgezogen, so das der Zelebrationsaltar in der Vierung steht. Im Jahre 2000 wurde die Kirche innen renoviert und neu ausgemalt.

2003 konnte die Gemeinde St. Lamberti ihr 800 jähriges Jubiläum feiern. Urkundlich wurde sie erstmals im Jahre 1203 erwähnt. Aus dem historischen Dokument geht hervor, dass Bischof Hermann II die Äbtissin des Augustinerinnenklosters Langenhorst zur Archidiakonin der Kirchengemeinden Ochtrup, Wettringen und Langenhorst ernannte.

Filialkirche St. Johannes Baptist Langenhorst

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Langenhorst, ein Ortsteil der Stadt Ochtrup mit etwa 1050 Einwohnern hat eine Geschichte von über 825 Jahren.

Die geschichtlichen Anfänge von Kirche und Kloster als „Herz“ und Beginn Langenhorsts muten fast märchenhaft an: Allem Anschein nach lebten bereits zu Anfang des 12. Jahrh. die Edelherren von Wettringen ( damaliger westfälischer Hochadel) auf ihrer „schönen, großen Burg Langenhorst“. Diese Adelsfamilie war überaus begütert. Mitte des 12. Jahrh. war der„älteste Spross“ Volkmar von Wettringen. Dieser hatte drei Söhne: Konrad, Bernhard und Franko. Nach seinem Tod führte Konrad seine Aufgaben weiter. Aufzeichnungen zur Folge soll er jedoch um 1178 gestorben sein. Sein jüngerer Bruder Bernhard war bereits 1170 ermordet worden. Konrad und Bernhard hatten beide keine Kinder, und so ging der gesamte sehr umfangreiche Familienbesitz an den jüngsten Bruder Franko über.

Dieser war jedoch bereits Priester, 1155 war er zum Domkanonikus und 1170 zum Vicedominus des ersten Fürstbischofs von Münster, Hermann II von Katzenelenbogen, gewählt worden.
Ganz von dem Gedanken erfasst, mit seinen irdischen Gütern Gott und der Kirche zu dienen, wurde 1178 von ihm urkundlich festgehalten, dass er, Franko von Wettringen, im  Hofe seiner Burg Langenhorst eine Kirche zu Ehren der Muttergottes und des heiligen Johannes des Täufers bauen ließ. Gleichzeitig gründete er (wahrscheinlich auch aus ehemaligen Burganlagen) ein Jungfrauenkloster und schenkte „demselben Hof und all sein Erbgut in Langenhorst“, dazu noch einige Höfe in „Othepe, Rene, Billich, Suetwinkel“ (Ochtrup, Rheine, Bilk, Neuenkirchen). 1181 schenkte der Bischof von Münster den Hof „Elshof“ aus dem Kirchspiel Welbergen dem Kloster Langenhorst dazu. 1184 wird  der Schulzenhof der „ Wene“ (Weiner) dem Kloster zinspflichtig.

Franko verließ 1197 Münster und wohnte bis zu seinem Lebensende um das Jahr 1203 in seinem Langenhorster Kloster. Durch einen Visitationsbericht von 1662 kann man auf das Todesjahr und die ungefähre Position seiner Grabstätte „ in Mitten seiner Kirche“ schließen. Leider ist man mit dieser bei Umbaumaß- nahmen in jüngerer Zeit nicht mit notwendiger Achtung umgegangen.

1203 bestimmte Bischof Hermann II. für Langenhorst eine Klosterverfassung nach „praemonstratensischem Vorbild“, was auf die Regeln des hl. Augustinus zurückgeht. Die Zahl der Augustiner – Chorfrauen, wie man sie ab da bezeichnen sollte, durften 24 nicht überschreiten. Zwei Priester sollten ihnen zur Seite stehen, die Beichte hören, kirchliche Tagesabläufe regeln und auch in weltlichen Dingen beraten. Noch in demselben Jahr übertrug der Bischof dem Kloster die Gerichtsbarkeit der Kirchspiele Ochtrup und Wettringen. Das bedeutete, dass die Priorin von Langenhorst das Archidiakonat über Langenhorst, Ochtrup und Wettringen bekam und dadurch alle Vollmacht in kirchlichen Angelegenheiten aber auch die Aufsicht über die Geistlichen und deren religiöses und privates Leben besaß. Außerdem unterstand ihr die Sendgerichtsbarkeit, die über das sittliche und religiöse Leben der Menschen in ihrem Gebiet wachte. Hiervon geben noch die beiden „Immunitätssäulen“ am Eingang vom Stiftsplatz bis heute Zeugnis.
Ausführlichere Geschichtsinformationen zum Kloster und ihrer Bewohnerinnen kann man im „Ochtruper Heimatblatt 21“ finden.
Von besonderer Bedeutung für das Langenhorster Kloster wurde die Zeit des 14. und 15.Jahrhunderts, als mit der „devotio moderna“ eine Epoche der Glaubenserneuerung begann.
Man versuchte, im alltäglichen Leben, bei allem, was man tat und dachte, sich am Evangelium, an der Nachfolge Jesu real zu orientieren. Man betete sogar in der Muttersprache!
Die Reformation und seine Folgen machten dieser fruchtbaren Zeit ein Ende.  Und dann brachte das Jahr 1556 eine verheerende große Brandkatastrophe für Langenhorst, bei der ein großer Teil des Klosters, fast alle Wirtschaftsgebäude sowie Nordturm und die Nord – Ostseite der Kirche abbrannten.
Zwanzig Jahre dauerte es, bis am 31. Mai 1676 im neuen Gebäude (jetzt Berghaus’ Scheune) das Kloster Langenhorst in ein frei – weltliches -  adeliges Damenstift umgewandelt wurde.
1803 wurde das Stift aufgehoben  und durch den Reichsdeputationshauptschluß dem Rheingrafen zu Salm Horstmar zugewiesen; die klösterlichen Gebäude wurden verkauft.
Über viele Jahrhunderte hatten die Anwohner Langenhorsts durch das Kloster und die Stiftsdamen Arbeit, Lohn und Brot erhalten, nun begann eine Zeit großer materieller Not.
In dieser Situation gelang es 1830 dem damaligen  Pfarrer Theodor Mühren  mit großen finanziellen Anstrengungen der Langenhorster, in ihrem Ort ein Lehrerseminar (Ausbildungsstätte für Lehrer) einzurichten, um somit jungen Männern aus „ ganz Westfalen Ausbildung, Unterkunft und Beköstigung zu gewähren“. Die Leitung dieses Seminars oblag immer dem Pfarrer von Langenhorst.
1876 wurde dem Lehrerseminar noch ein Vorbereitungskurs, eine Präparandie, vorgeschaltet und gebaut ( heutige Kindergarten).
Da der kleine Ort Langenhorst bei so vielen angehenden Lehrern nicht genügend praktische Übungsmöglichkeiten bot, wurde das katholische Lehrerseminar 1882 nach Warendorf verlegt. Die Präparandie blieb noch bis 1907 in Langenhorst.
Die Taubstummenanstalt, die 1841 durch den Lehrer Bernhard Stahm aus der Lehrerausbildung heraus erstmals in Deutschland entstanden war,  verblieb bis 1968 in Langenhorst.
Das Präparandiegebäude wurde dann für knapp 60 Jahre ein Kindererholungsheim unter der Leitung von Franzikanerschwestern.
Für kurze Zeit fungierte es als Wohnheim für körperbehinderte Taubstumme, bis es 1971 zum Kindergarten St. Michael umgebaut wurde.
Die Gebäude der Gehörlosenschule bekamen ebenfalls eine neue Bestimmung: Der Caritasverband des Dekanats Steinfurt richtete hier eine Werkstatt für geistig und körperlich Behinderte ein, die später durch den Bau der Beschützenden Werkstätten an der Waldstraße erweitert wurde.
Heute befinden sich in den Gebäuden der ehemaligen Taubstummenanstalt Werkstätten für psychisch Erkrankte.
Auch unsere Kirche, Mittelpunkt und Herz unserer Gemeinde, erfuhr einige Veränderungen  in den letzten  200 Jahren: U. a. Entfernung der großen Empore, ganze Innenbemalung, Verkauf des Langenhorster Altars (1867/ heute im Landesmuseum Münster),

Entfernung der Bemalung, Wiederaufbau des Nordturms, Wiederherstellung einiger romanischer Fenster, Fußbodenheizung, (1964). Einrichtung der Stiftskammer im Südturm,(1994).
Nicht nur die Kunsthistoriker sind sich darüber einig, dass die kleine Kirche Langenhorst
- sie ist tatsächlich nur 32 m lang -, wohl das bedeutendste und vielgestaltigste Gotteshaus des Kreises Steinfurt ist. Es ist unglaublich, welcher Reichtum an Baugedanken hier auf relativ kleinstem Raum umgesetzt wurde. So kann diese Kirche es mit den großen Domanlagen des Mittelalters aufnehmen: zweischiffig, wie die Dome Speyer, Worms und Mainz, zwei Türme wie der Dom in Münster, plastischer Schmuck, Wandgliederungen und Säulenformationen wie in französischen Kathedralen.

Filialkirche St. Dionysius Welbergen (alte Kirche)

 

Zur Geschichte von St. Dionysius

Nachweisbar lässt sich die Geschichte von St. Dionysius in Welbergen bis ins hohe Mittelalter zurückverfolgen. In einer bischöflichen Urkunde aus dem Jahre 1151 wird die „parochia Willeberge" nach heutigem Wissensstand erstmalig erwähnt. Es ist aber
mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Pfarrgemeinde und die Alte Kirche deutlich älter sind. Die Alte Kirche wurde nach glaubhafter Auskunft von Historikern bereits im 11. Jahrhundert gebaut. Diese schlichte in romanischem Stil errichtete Pfarrkirche wurde 1511 durch das spätgotische Ostchor erweitert, an das erst im 19. Jahrhundert der Sakristeibau angefügt wurde.

Seit den Anfängen stehen Kirche und Gemeinde unter dem Patronat des heiligen Bischofs und Märtyrers Dionysius.

Das gilt auch für die in den Jahren 1901 bis 1908 als neugotische Basilika gebaute und am 15. Juni 1908 geweihte neue Pfarrkirche. Sie ist jetzt Filialkirche der Gemeinde St. Lambertus.
Es war für die Gemeinde in den Folgejahren sehr schwer, für den Neubau
und gleichzeitig für den Erhalt und Unterhalt der Alten Kirche die Kosten aufzubringen. Die alte Kirche verfiel mehr und mehr. Erst in den Jahren 1998 bis 2001 ist sie im Rahmen eines umfassenden Renovierungsprogramms, das auch die Sanierung des Friedhofs, der Friedhofsmauer und der Kreuzwegstationen einschloss, vollständig wieder hergestellt worden.
1989/1990 erfolgte auch die Innenrenovierung der neuen Pfarrkirche. Mit dem Neubau der jetzigen Pfarrkirche ging zu zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine auffällige Verlebendigung des Gemeindelebens einher. Sie fand ihren sichtbaren Ausdruck in der Gründung des „Vereins Christlicher Mütter" (heute kfd) im Jahre 1902 und des Kirchenchores im Jahre 1903. Jahrzehnte später, am 3. August 1902, wurde die Kolpingfamilie Langenhorst- Welbergen gegründet und am 19. Dezember 1957 die Katholische Landjugendbewegung (KL.IB).

Filialkirche St. Marien Ochtrup - erbaut 1951 bis 1953 von Dominikus Böhm

 Sinndeutung der Marienkirche (aus dem Pfarrbrief zur Einweihung 1953)

Das Haus seht fest gegründet,
des Geist es trägt und hält,
eng Stein an Stein verbündet,
Gott hat es hingestellt.

Der Turm, gleich einem mittelalterlichen Campanile vor
der Kirche stehend, deutet wie ein Rufer und Wächter, der ver-
kündet und einlädt, auf das Haus Gottes hin und hebt es aus
dem Stadtbild heraus. Aus der Höhe erschallen die Glocken
und ihr Klang erreicht die Ohren der Gläubigen, die horchen,
ob sie Freude oder Klage, Mahnung oder Einladung verkünden.

In der Taufkapelle, die im unteren Teil des Turmes sinnvoll ihren Platz gefunden hat, kann von drei Seiten her wie durch große Tore das lichte Gnadenwalten Gottes hereinfluten. Licht sein im Herrn, entzündet im Lichte des Dreifaltigen, wird dort mit der Wiedergeburt aus dem Wasser und dem hl. Geiste der Anfang des Heils und die Aufnahme in die Familie um Christus vollzogen. Getaucht in die lichte Fülle der Gnade kann von hier der so Beschenkte hinaufsteigen in das Leben mit. Gott.
Breit und bedächtig, gleich als ob sie die betende Schar der Gläubigen in einem Geiste zusammenfassen wollte, erreicht man die große Halle, das Zelt des Herrn, über das sich ihr schützendes Dach wie mächtige Flügel ausbreitet und schon beim Eintritt umgibt uns das Bewußtsein, hier steht jeder als ein Glied der Familie Gottes vollberechtigt und ganz mit hineingezogen in die Gemeinschaft mit Christus neben seinem Bruder.
Das zeltähnliche, beschwingte und nur von leichtesten Stützen getragene Gewölbe drückt denselben Gedanken aus: „Hier stehen wir beisammen unter dem schützenden Himmel des begnadenden Gottes und aller aufmerksames Denken und Glauben gehört dem, dessen Wonne es ist, bei den Menschenkindern zu sein. Ja, der Ehrenplatz ist Ihm ganz eingeräumt und der mächtige Altarstein, — wie der Taufstein, die Kanzel und die
Weihwasserbecken aus der Basaltlava der Eifel entnommen, —- will mit seiner einprägsamen und würdigen Form aussagen, daß nur völlig bedenkenloses Vertrauen und Glauben das Mysterium würdig tragen kann. Der Opferstein, auf dem die Gaben durch des Herrn Wille zur Speise des Lebens bereitet, gewandelt und gereicht werden dürfen, bildet so sehr Mittelpunkt des Raumes, daß er von allen gesehen, erlebt, erfaßt und geliebt werden kann. Ein Kelch, eine Speise, ein Glaube, eine Liebe, ein Leben und eine Gemeinschall, aller in Christus Jesus.

Kostbar ist die Glut und Farbenpracht der Rosette. Von der einen leuchtenden Sonnenmitte strahlen die fruchtbeladenen Weizenähren, angefüllt mit den in Rot, — der Farbe der Liebe und Hingabe, - - dargestellten Körner aus auf die Lebenskreise der Menschen. Alle Farben des Regenbogens spielen miteinander die Symphonie von der Schöpfergüte Gottes und in der Ordnung der Felder wird wie von den Fingern oder dem
Willen Gottes seine beglückende Wärme und Gnade geführt und gehalten. So ist die 9 Meter große Rosette ein Anruf beim Eintritt und ein froher Trost und Aufblick beim Verlassen des Gottesdienstes. 30 000 kleinste Scheibchen dienen miteinander in einem Rund und wollen die Eintracht und Verbundenheit aller Glieder Christi und ihren Dienst im Ganzen symbolisieren. Kein Dunkel und keine Verschlagenheit des Bösen darf sich bestimmend in das Vertrauen der Gläubigen zu Gott und in seine schenkende lichte Gnadengewalt hereindrängen.

Du, Kirche, bist das Zeichen des Ewigen über dieser Erde, Dein Sieg reicht vom Morgen bis zum Abend, und Deine Flügel wachsen über alle Meere. Dein Odem weht über alle Geschlechter, und Deine Gebete sind kühner als die Gebirge der Denker, denn Du trägst in Deinem Schoße das Erbarmen des Herrn.
Gertr. v. Le. Fort

 
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